Verfahrenstechnik 15. Dez 2022 Von Stephan W. Eder

Seltene Erden besser und klimaverträglicher in Europa gewinnen

Das norwegische Unternehmen Reetec will eine neuartige, nachhaltigere Separationstechnik für seltene Erden zur Produktionsreife führen. Der deutsche Industriedienstleister Bilfinger hilft bei der Skalierung der Prozesse.

Die Metalle der sogenannten seltenen Erden werden in vielen Hightechapplikationen und -produkten benötigt. Bilfinger unterstützt jetzt als Dienstleister das norwegische Unternehmen Reetec dabei, eine neuartige Fertigungsanlage im Industriemaßstab zu bauen.
Foto: PantherMedia / Antoine2K

Seltene Erden stecken in vielen Technologien, die für erneuerbare Energien und nachhaltige Produkte nötig sind. Das 2008 gegründete norwegische Unternehmen Reetec (REE: Rare Earth Element – seltene Erden) hat über die Jahre eine neuartige, hocheffiziente Aufbereitungsanlage für seltene Erden entwickelt. Die läuft im Pilotmaßstab bereits seit 2019 im Industriegebiet Herøya im norwegischen Porsgrunn.

Drohnen suchen seltene Erden

Der deutsche Bilfinger-Konzern hat Reetec bereits in den Studienphasen und beim Bau der Pilotanlage unterstützt. Jetzt, so teilt Bilfinger heute mit, werde man mit den eigenen Industriedienstleistungen auch zum industriellen Upscaling beitragen. Konkret übernimmt die Bilfinger-Einheit Bilfinger Nordics das Projektmanagement sowie das Engineering, Procurement und Construction Management (EPCM). Sie entwickelt dabei auf Basis von Scans aller Gebäude und Anlagen ein 3D-Modell und wird Reetec in der Test- und Inbetriebnahmephase unterstützen.

Wertschöpfungskette für seltene Erden soll in Europa etabliert werden

Die Erschließung eigener Selten-Erden-Vorkommen in Europa und die Entwicklung eigener Aufbereitungs- und Separationstechnologien für diese Rohstoffe werden inzwischen von der Europäische Kommission als strategisch wichtig anerkannt, um die Industriestandorte zu sichern und eine robuste europainterne Wertschöpfungskette abzusichern. Die Reetec-Anlage, um die es jetzt geht, soll vor allem Neodym und Praseodym extrahieren, Elemente, die in Permanentmagneten Einsatz finden, die für die Motoren von Elektrofahrzeugen und Windkraftanlagen benötigt werden.

Japan will seltene Erden aus der Tiefsee heben

Nach ihrer Fertigstellung soll die Reetec-Anlage auf Herøya ab der zweiten Hälfte des Jahres 2024 eine Kapazität von 720 t magnetischer Metalle pro Jahr haben, so Bilfinger. Das entspreche 5 % des geschätzten Bedarfs in der EU. Es wird erwartet, dass der Markt bis 2030 um das Fünffache wachsen wird.

Separation der verschiedenen seltenen Erden aus den Mineralvorkommen ist ein energieaufwendiger Prozess

Worin genau die Technologie von Reetec besteht, darin gewährt das Unternehmen keinen Einblick. Was bekannt ist, ist, dass die CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen führenden Anbietern um 90 % gesenkt werden können sollen. Grund dafür sei, dass nahezu alle Einsatzstoffe im Prozess zurückgewonnen und wiederverwendet werden und der Stromverbrauch der Anlage mit Wasserkraft gedeckt wird.

Deutschland ist reich an seltenen Erden

Alle 16 seltenen Erden finden sich üblicherweise in denselben Mineralvorkommen und müssen daraus separiert werden: „Ihre Trennung in einzelne Elemente von hoher Reinheit ist aufgrund ihrer chemischen Ähnlichkeit schwierig und teuer“, so Bilfinger.

Bergbau: Grubenwässer könnten strategische Rohstoffe liefern

Das Unternehmen Reetec gehört inzwischen mehrheitlich zum schwedischen Bergbaukonzern LKAB, kommt aber ursprünglich aus dem Portfolio einer ganzen Familie von Hightechspezialisten des norwegischen Familienunternehmens Scatec Innovation AS. Hinter Scatec steht der norwegische Chemiker und Solarpionier Alf Bjørseth, der den Solarzellenhersteller REC gründete.

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