Baustoffe 29. Sep 2022 Von Leonhard Fromm

Häuser aus Stroh: Erster Fachkongress zur Bauweise

Die Branche rund ums Bauen mit Strohballen bündelte beim ersten Fachkongress in Bayreuth ihre Kräfte. Das Thema ist im Trend, aber Häuser müssen einzeln genehmigt werden. Die in einem Verband zusammengeschlossenen Experten arbeiten darauf hin, dass eine Norm für die Statik bis 2024 verabschiedet wird.

Rund 60 Häuser hat Virko Kade mittlerweile in Österreich mit Strohballen gebaut. Die Nachfrage wächst.
Foto: Kade

Lange führte er ein Nischendasein, doch der Baustoff zieht wieder Interesse auf sich: Seit 1995 wurden schon gut 100 Gebäude aus Stroh gebaut – und das nur von den Referenten, die auf den 1. Bayreuther Strohballen-Bautagen von ihren Erfahrungen berichteten. Mehr als 100 Architekten, Bauinteressierte, Energieberater, Prüf-Ingenieure und Baustofflieferanten haben die zweitägige Fachtagung Mitte September an der oberfränkischen Universität besucht. Teilnehmer waren mitunter sogar aus den Niederlanden und Italien angereist, um dem Biobaustoff mit den CO2-Bestwerten zu mehr Verwendung im Bauwesen zu verhelfen.

Botanik: Wenn Bäume Häuser designen

Rund 40 Mio. t Stroh fallen laut Bauernverband jährlich in Deutschland als Nebenprodukt der Getreideernte an. Ein Erfahrungswert aus Österreich besagt, dass jedoch nur die Hälfte davon entweder als Einstreu in der Tierhaltung, als Dünger und Erosionsschutz auf dem Feld, bedingt als Tierfutter oder zunehmend als Grundstoff für Bio-Reinigungsmittel und Bio-Plastik (PLA) verwendet wird. Daneben dient Stroh als Isolierverpackung und zur Herstellung von Papier und Bio-Energie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Bauen mit Stroh aus der Mode

Die Verwendung als Baumaterial ist im Grunde schon sehr alt, denn mit Stroh, Lehm oder Holz baut die Menschheit seit Jahrtausenden. Doch im letzten Jahrhundert geriet der goldene Baustoff aus der Mode. „Die Bauindustrie und das Effizienzdenken haben nach dem Zweiten Weltkrieg die alten Techniken verdrängt“, sagt Strohballenbauer Virko Kade.

Gebäude kompostierbar dank Pilz als Bauteilfabrik

Als Dämmstoff im Hausbau werden Stroh und andere Pflanzenreste wie Hanf oder Schilf nun schon länger wieder verwendet. Die Beliebtheit nimmt offenbar zu: Der Preis für 100 kg Stroh kletterte laut Anton Huber vom Bayerischen Bauernverband von 8,20 € im Jahr 2019 auf aktuell 10,70 €. Doch aus großen und kleinen Strohballen mit Dichten von 140 kg/m3 bis 200 kg/m3 können auch tragende Strukturen gebaut werden – mitunter ganze Häuser mit bis zu vier Etagen.

Die USA bauten bereits in den 1980er-Jahren lasttragend mit Stroh

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