Wirtschaft in der Energiekrise 06. Okt 2022 Von Martin Ciupek

Deutsche Bank sieht Anzeichen für Deindustrialisierung Deutschlands

Dass die Industrieproduktion in Deutschland dieses Jahr geringer ausfallen könnte als zuvor, ist kaum überraschend. Eine Analyse der Deutschen Bank deutet aber auf einen anderen, langfristigen Trend hin.

Die Energiekrise könnte Ausgangspunkt für die Deindustrialisierung Deutschlands werden. Insbesondere energieintensive Unternehmen sind laut dem jüngsten Deutschland Monitor von Deutsche Bank Research betroffen.
Foto: panthermedia.net/sorapol1150

Laut dem gerade veröffentlichten Deutschland-Monitor der Deutschen Bank Research ist zu erwarten, dass die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland 2022 um 2,5 % und im Jahr 2023 um etwa 5 % schrumpfen wird. In den energieintensiven Industrien seien demnach die größten Rückgänge zu erwarten. Die Analysten sehen darin einen potenziellen Ausgangspunkt für eine beschleunigte Deindustrialisierung Deutschlands. Konkret heißt es in deren Analyse: „Wir sind pessimistischer für den Industriestandort Deutschland als für die großen deutschen Industrieunternehmen, die ihre Aktivitäten besser internationalisieren und Produktionsstandorte nach ihren individuellen Kosten- und Kundenstrukturen wählen können. Für den deutschen Mittelstand, insbesondere in den energieintensiven Branchen, wird die Anpassung an eine neue Energiewelt eine größere Herausforderung, an der manche Unternehmen scheitern werden.“

BDI:Entwicklung der Preise für Gas und Strom wird für die Industrie bedrohlich

Bereits im Juli 2022 hatten die Analysten der Deutschen Bank darauf hingewiesen, dass sich die Gas-Krise als struktureller Game-Changer für den Industriestandort Deutschland und das exportorientierte Geschäftsmodell erweisen könnte. Nach dem Corona-Schock und den damit verbundenen Unterbrechungen der Lieferketten zeigten die jüngsten Daten zur inländischen Produktion und zu den Auftragseingängen nun, dass zumindest der nächste zyklische Abschwung in den meisten Industriesektoren in Deutschland begonnen habe. Im aktuellen Deutschland-Monitor heißt es dazu: „Wir erwarten, dass diese Indikatoren in den nächsten Monaten weiter sinken, wobei die energieintensiven Sektoren besonders betroffen sein werden. Hohe Gas- und Strompreise, eine weltweite Konjunkturabschwächung und eine schlechtere wirtschaftliche Stimmung, die auf die Investitionsneigung drückt, sind und bleiben die Hauptfaktoren für den erwarteten Einbruch.“

Energieintensive Industrie ist am stärksten betroffen

Hinsichtlich der rückläufigen Industrieproduktion kommt Deutsche Bank Research zu dem Ergebnis, dass Unternehmen in den energieintensiven Industrien – dazu zählen u. a. Metallgießereien – die meisten kurzfristigen Möglichkeiten bereits genutzt haben, um von Gas auf andere Energieträger umzusteigen oder die Energieeffizienz weiter zu erhöhen. Als weitere Schritte der Unternehmen haben die Marktbeobachter die Drosselung der Produktion, die Schließung einzelner Werke und/oder die Verlagerung der Produktion in Fabriken im Ausland ausgemacht. All das sei bereits im Gange und werde auch in den nächsten Monaten zu beobachten sein. Die konkreten Auswirkungen hingen jedoch von kurz- und mittelfristigen Unsicherheitsfaktoren für die Entwicklung der Energiepreise ab, wie der globalen Gasnachfrage, dem Ausbau der globalen Gasexploration sowie dem Ausbau entsprechender Transport- und Importinfrastrukturen, aber auch der Regulierung der Gas- und Strompreise für gewerbliche Kunden in der EU.

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Verlust an Produktionskapazitäten: Industrieanteil an der Bruttowertschöpfung im Abwärtstrend

Da einige Branchen mit strukturellen Verlusten an Produktionskapazitäten und Beschäftigung in Deutschland konfrontiert sein werden, gehen die Analysten davon aus, dass die Beschäftigung in der Industrie sinken wird. Auch der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland werde in den nächsten Jahren voraussichtlich schrumpfen. Für die strukturelle Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland sei hier insbesondere die künftige Regulierung der Energiemärkte und Energiepreise ein zentraler Unsicherheitsfaktor, heißt es dazu im aktuellen Deutschland-Monitor der Deutschen Bank.

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